70 Jahre Ehe – eine Liebesgeschichte zum Gedenktag des Holocaust (27. Januar)
Überleben und Weitererzählen
Siebzig Jahre Ehe, Gnadenhochzeit – das musste gefeiert werden. Und es wurde gefeiert vom Hamburger Ehepaar Buterfas. Im Hamburger Michel. Beide sind über neunzig Jahre alt; er ist jüdischen, sie christlichen Glaubens. Kinder, Enkel, Urenkel und viele Freunde und Bekannte aus der Geschäftswelt feierten mit. Sie feierten das Überleben. Herr Buterfas wurde als kleiner, jüdischer Junge drangsaliert, eingesperrt, verhöhnt. Sein Vater und einige ältere Geschwister kamen zeitweise ins Konzentrationslager. Nach der Eheschließung 1955 und dem Aufbau eines Baugeschäftes sorgte sich das Paar vor allem um eins: die nach dem „Dritten Reich“ Geborenen sollten wissen, was unter den Nationalsozialisten geschehen, war gegenüber allen, die als „undeutsch“ galten. Etwa 1.400-mal war das Ehepaar in Schulen und Jugendclubs zu Gast und hatte davon erzählt, wie es damals war: Dass man auf der Straße angepöbelt wurde als „Judenbalg“; dass man nur wegen seiner Religion ins Lager kam, dass man ermordet wurde, weil man Jude war. Das Ehepaar wurde vielfach mit Preisen ausgezeichnet. Und nun, im hohen Alter, diese einzigartige Gnade: die Gnadenhochzeit, siebzig Jahre Ehe.
Humor, Glaube und Segen
Als Frau Buterfas vor dem großen Fest gefragt wurde, was zu einer guten und langen Ehe gehöre, sagte sie: Dass man nicht mit bitteren Gedanken einschlafe. Als er antwortete, sagte er: Der Mann muss immer das letzte Wort haben; und sein letztes Wort muss heißen: Jawohl, mein Schatz. Mit diesem Humor kamen sie zum festlichen Gottesdienst mit Bischöfin und Rabbiner in die Kirche, um sich noch einmal segnen zu lassen. Auch ein Glas wurde zertreten, wie es bei einer jüdischer Eheschließung Brauch ist. Dann riefen alle in der Kirche auf Hebräisch laut und fröhlich: „Masel tov“, also: Viel Glück. Gnade kann man nicht genug feiern. Für Herrn Buterfas war ja ein Leben gar nicht vorgesehen. Aber er erlebt die Gnade des Überlebens.
Verantwortung ohne Schlussstrich
Wir dürfen keine Schlussstriche ziehen. Manches ist zu groß und zu schwer für einen Schlussstrich. Wir Heutigen sind nicht verantwortlich für die Zeit des „Dritten Reiches“. Wir sind verantwortlich für unsere Zeit. Und wir hoffen darauf, dass wir Menschen mit anderen Ansichten, mit anderem Aussehen oder mit einem anderen Glauben achten können. Wir müssen andere nicht verstehen; achten aber sollten wir sie.
Wir alle sind Kinder des einen, großen Gottes – ob wir einander mögen oder nicht. Wir können auch nicht davon ausgehen, dass alle anderen uns mögen. Wir selbst aber können es ja zumindest versuchen. Denn auf unserem Bemühen liegt ein Versprechen des Juden Jesus, der sagte (Matthäus 5,5): Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Mit freundlichen Grüßen
Pfarrer Michael Becker
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