Gedanken zum 40. Jahrestages des Reaktorunglücks in Tschernobyl (26. April 1986)
Der Tag des Unglücks
Erst kam der Schreck, dann die Unsicherheit – zuletzt dann war damals bei allen das Warten auf den Tag, an dem die Wolke kommt. Vor 40 Jahren (am 26. April 1986) explodierte ein Reaktor im Atomkraftwerk in Tschernobyl – damals in der UdSSR gelegen, heute in der Ukraine. Von dem Unglück erfuhren wir erst Tage später – und dann erst sehr ungenau. Michail Gorbatschow zögerte, Europa mitzuteilen, was geschehen war. Aber es ließ sich nicht verheimlichen. Eine große Menge Radioaktivität war in die Atmosphäre aufgestiegen und drohte, bei Regen auf die Erde zu fallen. So kam es. Als die Wolke sich in der Atmosphäre gesammelt hatte, kam Radioaktivität mit dem nächsten Regen über uns. Äcker mit frühem Gemüse wurden umgepflügt. Kinder durften auf keinen Spielplatz mehr. In den Kitas war es verboten, im Freien und im Sand zu spielen. Das ganze Land war in heller Aufregung. Es gab zahlreiche Demonstrationen unter dem Motto: „Atomkraft, nein danke.“ Viele sagten, die zerstörende Kraft der Radioaktivität sei von Menschen nicht beherrschbar. Und seit 2011, nach dem Unglück in Fukushima, verzichtet Deutschland auf Atomkraftwerke.
Atomkraft heute – Chancen und Risiken
Andere Länder nicht. Deutschland ist umgeben von Atomkraftwerken in Belgien, Frankreich und Polen. Manche Länder wollen noch mehrere davon bauen. Auch einige deutsche Politikerinnen und Politiker wollen zur Atomkraft zurück. Über den besten Weg können wir hier nicht entscheiden. Aber etwas können wir, wenn wir den kommenden Sonntag Jubilate ernstnehmen. Wir können Gottes Schöpfung preisen. Und alles dafür tun, sie nicht zu zerstören.
Jubilate: Für die Schöpfung handeln
Der Sonntag Jubilate jubelt über die Schöpfung. Wir könnten einstimmen in die Worte (1. Mose 1,31): Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Nur: Können wir einstimmen in diese Worte? Seit der Schöpfung durch Gottes Geist und Hände ist viel geschehen. Menschen machten sich die Erde nicht nur untertan, sie beuteten die Erde oft auch aus bis zur Schmerzgrenze. An manchen Orten gibt die Erde einfach auf; an anderen Orten wehrt sie sich. Eine eindeutige Warnung der Wissenschaft gibt es, länderübergreifend. Sie heißt: Wir dürfen nicht weiterleben wie bisher. Schenken wir darum der Schöpfung Gottes etwas, auch wenn es uns wehtun sollte. Schenken wir Gottes Schöpfung unseren ehrlichen Verzicht auf vieles. Sie selbst wissen alle am besten, worauf Sie verzichten können und sollten. Tun wir es – um Gottes willen. Und sorgen wir mit unserer Kraft und unseren Wählerstimmen dafür, dass sich eine Wolke wie 1986 nicht wiederholen kann – um Gottes und aller Menschen willen.
Mit freundlichen Grüßen
Pfarrer Michael Becker
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