Eine Weihnachtsgeschichte, die vom Sinn des Lebens erzählt.
Die Geschichte von Brechts „Paket des lieben Gottes“
Eine Weihnachtsgeschichte der besonderen Art möchte ich heute nacherzählen. Sie ist vom deutschen Dichter Bertolt Brecht (1898–1956 ), der nicht besonders fromm war. Aber er dachte viel über Gott nach. Seine Geschichte bestätigt das. Es kommt auf den letzten Satz an.
Es war ein kalter Winter in Chicago. Viele Männer ohne Arbeit sitzen in einer Bar. Da ist es wenigstens warm. Geld haben sie keins. Ein Whisky muss für den ganzen Weihnachtsabend reichen. Es ist zwar der Tag der Geschenke, aber niemand hat etwas zum Schenken. Da kommen die Männer auf eine spöttische Idee: Aus dem, was sie gerade da haben, schenken sie anderen etwas zu Weihnachten. Und ihr Hauptspaß ist: Einem Mann, der offenbar Angst vor der Polizei hat, schenken sie drei Seiten aus einem Adressbuch, auf denen nur Adressen von Polizeirevieren stehen. Diese Seiten wickeln sie in ein paar Zeitungsblätter ein.
Das unerwartete Geschenk: Eine Botschaft von Gott
Die Spannung ist groß, als der Mann sein Geschenk auspackt. Er macht es rasch auf und – sein ganzer, dünner Körper krümmt sich sozusagen um das Zeitungspapier herum. Er verschlingt, was er dort liest; er sieht nur noch die Zeitungsblätter. Dann schaut er von der Zeitung auf und strahlt. Und erzählt allen, was er gerade gesehen hat.
Eben nämlich habe er in dieser alten Zeitung gelesen, sagt er, dass die Polizei nicht mehr nach ihm sucht. Die Sache sei längst aufgeklärt; er sei ein freier Mann. Bei der dann folgenden allgemeinen Befriedigung, erzählt Bert Brecht, spielt es dann keine Rolle mehr, dass diese Zeitung zum Einwickeln natürlich nicht die Männer ausgesucht hatten, sondern Gott.
Gottes Angebot zur Liebe im Alltagsleben
So heißt die Geschichte auch: „Das Paket des lieben Gottes.“ Für die Menschen, die es erkennen wollen, ist Gott immer wie hineingetupft in die kleinen Gnaden des Alltags. Der Mann liest, dass er nicht mehr verfolgt wird. Manche erkennen, wie sehr andere Menschen sie mögen und ihnen beistehen. Oder Menschen sind erstaunt über die Güte, die auch in der Welt ist. Manche besuchen andere, um ihnen ein wenig im Alltag beizustehen. Das alles gibt es. Und macht weihnachtlich froh.
Weihnachten ist Gottes Angebot zur Liebe – Liebe zum Kleinen, zum Unscheinbaren. Keine Liebe ist ohne Gott. Liebe zu Kindern, Liebe zu denen, die nicht mehr zurechtkommen mit der Welt. Gott ist zu erkennen in den kleinen Gnaden des Alltags: einem hübschen Päckchen, einer Fürsorge, einem schmerzfreien Tag oder Woche, einer geduldig getragenen Last. Gott macht keinen Lärm, wenn er in unsere Welt kommt, in unsere Alltage. Aber Maria, Josef, Hirten und Könige erkennen: die kleine Gnade dieses Kindes ist die große Gnade in unserem Leben: Gottes Angebot zur Liebe, zur Achtung von Menschen. Wer Menschen achtet, ehrt Gott.
Wo Liebe geschieht, erkennen wir Sinn im Leben. Und danken Gott dafür. Frohe Weihnachten Ihnen allen.
Mit freundlichen Grüßen
Pfarrer Michael Becker
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