Marilyn Monroe würde 100 Jahre alt (am 1. Juni). Eine Geschichte über sie vom Regisseur Billy Wilder.
Marilyn Monroe – ein unvergesslicher Stern
Ein Stern, der nicht verglüht – das ist die amerikanische Schauspielerin Marilyn Monroe. Am kommenden Montag (1. Juni) würde sie 100 Jahre alt. Gestorben ist sie 1962 mit 36 Jahren, vermutlich an einer Überdosis an Schlafmitteln. Frau Monroe war eine großartige Schauspielerin – zum Beispiel im Film „Manche mögen’s heiß“. Zudem war sie eine schöne, oft stilbildende Frau – aber oft auch traurig, ängstlich. Sie wirkte, sagen Zeitgenossen, scheu und verzagt, als käme sie mit ihrem Alltag nicht gut zurecht. Sie fühlte sich auch ausgenutzt, wohl eher von Männern, die sich mit ihr schmücken wollten. So kurz ihr Leben war, so hell leuchtet ihr Stern bis heute. Unvorstellbar, dass der Stern jemals verglüht.
Der Charme des Unperfekten
Es gibt eine Geschichte über Marilyn Monroe, die unbedingt immer weitererzählt werden sollte. Die Geschichte erzählt etwas Wunderbares über das Leben, über unser aller Leben: Es gibt einen Charme des Schrägen. Es gibt Ecken und Kanten, die gut tun. Nicht nur Fassaden, Glattes oder Glitzerndes ist schön. Auch Schiefes und Krummes, sogar Nerviges ist manchmal herrlich. Dafür sorgt Gott – wenn ich genau hinschaue und nicht immer gleich abwinke oder andere verurteile. Gott hat Menschen geschaffen in allerlei Vielfalt. Und bevor ich Menschen für ihr Wesen oder ihr Tun verurteile, könnte ich ja auch versuchen, das Angenehme an ihnen zu entdecken oder das Seltsame liebevoll zu übersehen.
Billy Wilders besondere Antwort auf Kritik an Marilyn Monroe
Die Schauspielerin Marilyn Monroe war auch gefürchtet, erzählt uns die Geschichte. Oft kam sie zu spät oder war unausgeschlafen. Manchmal hatte sie den Text der nächsten Szene noch nicht gelernt, sagt man. Kein Wunder, dass so etwas nervt – alle mitarbeitenden Tontechniker, Beleuchter und Schauspielkolleginnen und -kollegen. Eines Tages fasst sich ein Techniker ein Herz und geht zum Chef, dem Regisseur Billy Wilder (1906–2002). Vorsichtig fragt er: „Chef, wie lange wollen wir uns das noch gefallen lassen mit der Monroe? Manchmal zu spät, unvorbereitet, lustlos – können Sie da nicht einschreiten?“ Der Regisseur schaut vor sich hin und nickt. „Sie haben Recht“, sagt er. „Das ist eine Zumutung, jeden Tag. Auch für mich.“ Und dann sagt der Chef auch noch: „Wissen Sie, ich habe eine Tante, die wohnt nicht weit von hier. Eine wunderbare Frau, zuverlässig, kann Gedichte auswendig, würde uns jeden Morgen Brote schmieren und frischen Kaffee bringen. Glauben Sie mir“, sagt der Regisseur zum Tontechniker, „meine Tante ist wunderbar, alle würden sie lieben – das ganze Gegenteil zu unserer Marilyn.“ Jetzt macht der Regisseur eine Pause, kritzelt etwas aufs Papier und sagt dann noch zu seinem Techniker: „Nur eine Frage bleibt ja: Meinen Sie wirklich, irgendjemand wollte meine Tante im Kino sehen?“ Danke, Gott, für den Charme auch des Schrägen.
Mit freundlichen Grüßen
Pfarrer Michael Becker
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